Eine Besonderheit meiner Arbeit als Trauerredner ist, Menschen posthum kennenzulernen, um sie für einen Moment noch einmal lebendig werden zu lassen.
Ich staune, für welche Menschen ich die Ehre habe eine letzte Rede zu halten: Menschen, von denen ich etwas lernen kann. Menschen, die meine Perspektiven verändern.
Ich gebe zu, ich habe dazu geneigt ältere Frauen zu übersehen. Doch die Biografien, denen ich begegne lehren mich aufmerksamer hinzuschauen, interessante Menschen kommen manchmal inkognito daher.
Heute sind jungen Menschen manchmal überfordert ob der vielen Optionen die sich ihnen auftun und sie haben Schwierigkeiten sich zu entscheiden.
Frauen, die in den 1960ern erwachsen wurden, hatten weniger Optionen als heute.
Einige hätten sich vorstellen können, nicht zu heiraten, keine Kinder zu bekommen, sondern frei in die Welt zu gehen.
Das wusste ich eigentlich schon, aber die konkreten Begegnungen haben mein Blick geöffnet: Manche Menschen sind tief und interessant, auch wenn sie es sich nicht anmerken zu lassen.
Ich „begegne“ Menschen, die es schaffen, sich nicht mit diesem und jenem in der Familie zu zerstreiten. Menschen, die wie eine Nabe im Rad sind, alle Speichen laufen bei Ihnen zusammen.
Und es gibt Menschen, die sanft und genügsam sind. Keine spektakulären Typen, von denen in der Zeitung berichtet wird, sondern spektakulär gute Menschen!
Zufriedene Menschen die ein volles Leben hatten, auch wenn sie nicht sehr alt wurden oder ihren Landkreis nur selten verließen.
Wie gesagt, war schön, Sie kennengelernt zu haben!
– Stefan.
