Alois Eder

Adiaŭ Alois, ni neniam forgesos vin!

Sep. 9, 2026 | Trauerredner

Alois Eder (26.11.1940 – 21.8.2026)


Saluton gesinjoroj!

Kaj: Adiaŭ Alois, ni neniam forgesos vin!

Das war Esperanto. Jeder, der Alois kannte, weiß, dass die Welthilfssprache Esperanto für Alois weit mehr als ein linguistisches Hobby oder Zeitvertreib war. 

Esperanto war für Alois ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Weil Esperanto nicht nur eine Sprache ist, sondern eine völkerverbindende, humanistische Bewegung. Dazu gleich mehr.
Ich habe gehört, dass Alois auf seinen letzten Tagen, also auf dem Sterbebett, den Schwestern im Krankenhaus von den Vorzügen des Esperanto berichtete.

Typisch Alois!

Und Alois war ja auch Lehrer, so ist es nur folgerichtig und im Sinne von Alois, wenn Sie jetzt auch etwas über Esperanto lernen.

Ich habe Sie begrüßt mit „Saluton gesinjoroj”. Den „Salut” erkennen Sie, und „Sinjoro” irgendwie auch. Nun zeigt sich, wie sehr Esperanto mit dem Schwäbischen kompatibel ist, weil „es isch saumäßig sparsam”. Die Vorsilbe „ge-” umschließt die Damen und Herren (wie in GE-schwister), ein eingebautes Gendern sozusagen.
Dann kam: „Kaj: Adiaŭ Alois, ni neniam forgesos vin!”

Das Wörtchen „kaj” heißt „und” und ist ein Gruß an das Altgriechische, dem es entstammt. „Adiaŭ Alois”, ist ja schon wieder schwäbisch: „Ade” und bei „ni neniam forgesos vin!”, zu Deutsch „wir werden Dich nie vergessen!”. Da haben sie das „vergessen”, hier im Futur, auch sofort erkannt.

Alois war ja Österreicher, ich habe ihm gegenüber mal den Kalauer gemacht, was uns trennt (also uns Deutsche von den Österreichern) sei die gemeinsame Sprache.
Alois hat lachend geantwortet, „ein weiteres gutes Argument für Esperanto”.

Der Name der Sprache geht auf ein Pseudonym zurück, den sich der Schöpfer der Sprache Ludwig Zamenhof gab, den er sich geben musste.

Esperanto heißt „der Hoffende”. 

Alois war auch ein Hoffender, im Sprachunterricht war er jedoch zunächst ein Gequälter. Er berichtete, dass er vier Weltsprachen in der Schule lernte: Altgriechisch, Latein, Englisch und mit 14 in einer, heute würde man sagen AG, Esperanto.

Während die alten Sprachen ihm Pein verursachten, war er von der Leichtigkeit des Esperanto gleich begeistert, weil es ihm sofort eine neue Welt, neue Möglichkeiten bot. Der junge Alois fing eine Brieffreundschaft mit dem Kroaten Mirko an. Die einzige gemeinsame Sprache der beiden war: Esperanto.

Diese Begeisterung über die Praxistauglichkeit von Esperanto hat bei ihm nie nachgelassen, und das Besondere an Alois Eder war, dass er in der Lage war, diese Begeisterung zu teilen. 

Denn bevor man von Alois ein „Saluton” hörte, sah man sein Lächeln, denn Alois war ein Menschenfreund.

Meine erste Begegnung mit Alois sah so aus:

1995, ich war Student und zum Semesterende war ich geneigt, alles mögliche zu tun, außer mich auf die Prüfungen vorzubereiten.
Ich nahm an einem Briefkurs (KEK, Kostenloser Esperanto Kurs) teil, der in das  neue Medium E-Mail übertragen wurde. Als ich den Kurs erfolgreich absolviert hatte, entdeckte ich, dass die VHS Stuttgart Kurse und sogar eine Konversationsrunde anbot.

Da bin ich dann hin, um mir das einfach mal anzuhören. Ich wurde von Alois Eder auf Esperanto begrüßt. Jeden Versuch von mir irgendwie ins Deutsche zu wechseln hat er freundlich ignoriert und so führte ich radebrechend mein erstes Gespräch auf Esperanto und Alois entfachte eine Begeisterung für Esperanto in mir die nie wieder aufhörte. 

Dankon kara Alois!
Brauchen sie eine Übersetzung?

Von Ursula Niesert, langjährige Weggefährtin im Vorstand von Bavelo, dem Baden-Württembergischen Esperanto-Verband, weiß ich, dass sie Ähnliches erlebt hat.
Zuletzt habe ich mich vor zwei Monaten mit Alois getroffen, wir planten einen Vortrag und einen Esperanto-Minikurs von ihm bei den Humanisten Baden-Württemberg.

Als wir das planten, hat Alois nochmal betont, seine Faszination für Esperanto ist nicht nur im Sprachkonstrukt als solches zu sehen. Das auch, denn es ist nachgewiesen, dass der Spracherwerb viel schneller gelingen kann als in den sogenannten natürlichen Sprachen. Sogenannt weil die Grenzen zwischen natürlichen und künstlichen Sprachen natürlich künstlich sind.

Er meinte, der Grund, warum Esperanto auch heute noch eine Sprechergemeinschaft hat und immer wieder neue Anhänger findet, liegt in dem, was wir Esperantisten als „interna Ideo” bezeichnen.
Zamenhof selbst meinte, die Sprache ist wichtig, aber sein wichtigstes Projekt, seine maßgebende Inspiration, sei die des Humanismus. Die Idee der Völkerverständigung, die jegliche Grenzen von Sprache, Religion und Nationalität überwinden mag.

Das ist der Kern.
Von Esperanto und von Alois.
Das ist, was das Leben von Alois Eder maßgeblich geprägt hat.

So hat er sich auf vielen Ebenen und in vielen Projekten für Esperanto eingesetzt.
Diese aufzuzählen würde diesen kurzen Nachruf sprengen.
Zentral war sicher sein Engagement für den baden-württembergischen Esperanto-Verband, BAVELO, den er vor über 40 Jahren mitbegründet hat und dem er seit 2001 vorstand. 

Zuletzt waren Übersetzungen eines seiner Hauptaktivitäten, insgesamt waren es jedoch Aktivitäten, den Verband BAVELO lebendig zu gestalten. Kurse, Veranstaltungen, Kongresse.
Er blieb neugierig und hat sich in neue Techniken eingearbeitet. Unzählige Esperanto-Wikipedia-Artikel stammen von ihm.

Manchmal hatte Alois so viele Projekte und Ideen im Kopf, dass auch mal was hinten runterfiel und es für die anderen anstrengend wurde.
Doch hier half etwas, was sprachunabhängig nützlich ist: Charme.
Davon hatte Alois jede Menge.

Vielleicht sind die persönlichen Begegnungen noch wichtiger als all die Projekte. Begegnungen mit Alois die viele von uns geprägt haben. Und er es ließ es zu, von anderen geprägt zu werden, er war ein aufmerksamer Zuhörer. Li estis atentema aŭskultanto.

Zu den Menschen die ich meine gehörten Pfarrer Bernhard Eichkorn, Albrecht Kronenberger, Adolf Burkhardt, Maria und Josef Schiffer, Janek Bender der die Esperanto-Wanderungen weiter führt, Cornelia Mayer, Martin Schäffer, Elisabeth Denzler, Johann Pachter, Karl-Heinz Schaeffer und Utho Maier, Manfred Westermayer, Eva Fitzelová und Johannes Mueller, Inge Simon, Julia Noe, Rainer Kurz, Ursula Niesert, die vielleicht am Engsten und am längsten mit Alois gearbeitet hat, und viele viele mehr. Pardonu an die Nicht-Genannten, fühlt euch eingeschlossen.

Ein ganz großes Anliegen war ihm das BAVELO-Projekt in Burundi:
Aus dem ursprünglichen (und immer noch als solches funktionierenden) Esperanto-Zentrum ist inzwischen ein gut funktionierender Kindergarten hervorgegangen.
Damit diese Kinder sich nicht jahrelang in staatlichen Schulen unterfordert langweilen müssen, bis die anderen Kinder aufgeholt haben, ist eine Schule direkt neben dem Kindergarten geplant und für die ersten zwei Klassen bereits realisiert.

Im BAVELO-Vorstand, den Alois prägte, herrschte  ein besonderer Geist. Ich kann das bezeugen, vor über 20 Jahren gehörte ich ihm auch mal an und wir stellten fest, dass wir alle unterschiedliche Parteien unterstützen, zum Teil angehörten, der CDU, SPD, FDP, Grüne und damals PDS. Wissen Sie, was das für eine Rolle gespielt hat? Gar keine. Wir hatten eine gemeinsame Basis, die tiefer war. Auch das ist Esperantujo, Esperantujo ist quasi das Land in dem man Esperanto spricht.
Nun werden Sie vielleicht sagen, „Esperanto. Gute Idee, doch wer spricht schon Esperanto?”
Das kann ich auflösen: Homoj kiel Alois Eder parolas Esperanton. Menschen wie Alois Eder sprechen Esperanto.

Schließen möchte ich mit den lakonischen Zeilen des ungarischen Esperanto-Poeten Julio Baghy von 1933:

Post la mort’ ĉe tombo mia
staros “rondo familia”,
nekrologos ĵurnalisto:
estis li esperantisto.

Auf Deutsch:

Nach meinem Tod wird an meinem Grab
ein „Familienkreis“ stehen,
und ein Journalist wird im Nachruf schreiben:
„Er war ein Esperantist.“


Gärtringen, 11-a de Septembro 2026, Stefan Fisahn